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15. Juli 2014 / bubuludilli

Die Hanse ist nicht tot, sie riecht lediglich nach Räucherstäbchen….

amen ich sage euch: auch wenn unsere Fans in voller Erwartungsfreude vor diversen Veranstaltungsorten Bayreuths auf die ursprünglich angesetzte Performance zu Schlingensiefs “Die 120 Tage von Bottrop” warteten hatte die Hansestadt Bayreuth mal wieder Anderes vor. Gezwungenermaßen, denn der ursprünglich geplante Ausbruch im Glashaus Bayreuth wurde aus organisatorischen Gründen abgesagt.

Aber das stört einen alten Improvisator bekanntermaßen nicht, da muss halt was neues her. Und so kam es, dass ich einigermaßen unbedarft in eine nicht näher zu nennende WG eintrudelte, diverse Spielsachen und Instrumente im Gepäck.
N.N. hatte zu der Zeit meinen beiden Mitimprovisatoren schon diverse Drinks eingeflößt und so lag es an mir noch schnell ins Lagerfeuer zu greifen und einen Scheit Bier in meine Gesichtsnähe zu führen.

Nach einem köstlichen Mahl (danke nochmal) zogen wir uns zurück um unser Instrumentarium aufzubauen: Andi hatte nebst Läppi noch Kalimba, Drachenrufer noch die LED-Sonnenbrille dabei und schloss sich direkt ab die hauseigene Stereoanlage an. Knut rollte sein Magazin aus Harps (Mundharmoniken?) aus und positionierte just daneben seine akustische Gitarre und eine Hollandflagge. ich hatte spontan beschlossen, meinen neu erstandenen EHX Freeze mit einem Mikrofon zu beschießen und das Ergebnis mit warmem Echo zu veredeln. In das Mischpult, das ich dazu benutzte steckte ich noch Synthie+Effektquietsche ein und schlauchte das alles dann in kleine Laptopboxen zur akustischen Entkopplung von Gohlkes Ergüssen.

Zur Performance selbst will ich eigentlich nicht all zuviel sagen, da ich einerseits noch auf das Ergebnis der Aufnahmen hoffe und man andererseits sowieso am Besten dabei gewesen wäre. Ein paar Besonderheiten sind jedoch von meiner Seite aus hervorzuheben:
-  Wir kamen das erste Mal seit Ewigkeiten wieder zusammen, das antasten an das gegenseitige Klangspiel war also spannend, ungewohnt und daher teilweise etwas energiehemmend.- Niemand hat den performativen Teil mit der Hollandfahne geblickt (gefühlt zumindest).
- Schokopudding kam zum Einsatz, ich war jedoch dermaßen in mein Gefrickel vertieft, so dass ich davon nix mitbekommen habe.
- Zudem war es mein erstes hanseatisches Wohnzimmerkonzert. Sehr interessant, da die Alkoholpegel des Publikums und die Bewegungsmöglichkeiten dann doch enorm unterschiedlich sind.
- Kunst!
- Knut übernahm die Rolle des Vorlesers, was meiner Erinnerung nach eine Premiere war.

Nachdem wir uns ein wenig ausgetobt hatten ging es dann an den nächtlichen Käääääse und mit der Gewissheit, dass die Hanse doch noch lebt schauten wir dann allesamt, dass wir es irgendwie noch heil nach Hause in die eigenen 4 Wände schaffen.

Wir bedanken uns noch einmal bei N.N. und Konsorten für die Gelegenheit, allen Brauereien dieser Welt für ihre Erzeugnisse und natürlich bei unserem Propheten Meese, auf das er Heil zu uns bringe.

Kuchen.

24. März 2014 / Knut

Der Elefant reinkarnierte am 15.3.2014 in Leipzig

Und es war gut!

Den kompletten Audiomitschnitt findet Ihr auf: http://wellenbecken.com/2014/03/24/elefant-in-leipzig/

11. März 2014 / Knut

Hansestadt Bayreuth erklärt Leipzig den Krieg

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Die Hansestadt Bayreuth ist am 15. März um 19.30 Uhr in Leipzig, und zwar in der Lützner Straße 36 im theater coLaborativ [nain].

Die Hansestadt Bayreuth präsentiert in einer Armada aus elektronischem Geraffel kultivierten Hörkunstwahnsinn. SciFi_Ambient_Krautrock_Drone_Noise_Spoken Word, die Zeit der Vögel behauptet sich gegen die Zeit der Wale. Die sechs Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt werden sich an diesem Abend dem Kriegsjubiläum widmen, ihre Performance unter das Motto “HBT erklärt 1000 Jahre Krieg / HBT declares 1000 years of war” stellen und für allerlei Schlimmes und Schönes sorgen. Mit der autarken Plane im Rucksack und Seit an Seit mit der flinken Panzerheuschrecke wird es schon gelingen.

Support kommt von der Kombo “Der blaue Elefant onaniert im Park”, welche bereits zusammen mit den Hamburgern von HGich.T für demolierte Säle sorgte.

Die Künster_innen dieses Abends sind:

Andi Gohlke,  Syntheziser, Singende Säge,flache Kiste mit Leuchten drin

Anja Zeilinger, Stimme und Wörter

Felix Schrade, Saxophone, Kleine Fisselsachen, die kaputt gehen könnten, Blauer Kasten

Knut Holtsträter, Gitarre, Kleine Kästen mit Knöpfen dran

Thaddäus Zucker, Fleischgewordener Kuchen

Und gerade frisch reingekommen als Special Feature:

Unser Composer in Residence der Hansestadt Bayreuth, Max aka Harris Pilton, mit seinem kleinen Freund

Ein praktischer Hinweis: Es erwarten Sie in den Räumen des Theatercolaborativs an diesem Abend vorausssichtlich sechs voll proviantierte Musiker_innen inmitten von Textperformance, Fotoausstellung und Film. Wer einen Platz im Schützengraben haben möchte, sollte rechtzeitig kommen.

24. Februar 2014 / bubuludilli

Impro unter anderen Bedingungen

Ein Abenteuer, zumindest ein kleines, ist dem Felix jüngst passiert:
Ein sogenanntes “Dinner in the Dark” ist ein Event, bei dem in absoluter Dunkelheit gespeist wird um so die Sinneswelt von Sehbehinderten und Blinden nachzustellen. Das ist für sich schon ganz lustig, alle Teile des Bestecks werden beispielsweise selten benutzt. Die Besucher reden mehr&lauter um sich ihrer Präsenz und der ihrer Nachbarn zu versichern, alle blinzeln ein wenig komisch, wenn es dann aufs Klo (in Helligkeit) geht.

Normalerweise ist die Ausgangssituation für die Sinne schon ziemlich spannend, es ergab sich jedoch noch eine kleine Verwirrungsakkumulation: Die Organisation wollte mal ausprobieren, wie sich die akustische Wahrnehmung im Bezug auf musikalische Impulse verändert.
Am Abend selbst war die Sängerin Madeleine Reichert nebst Korepetition anwesend und debütierte. Die Menschen redeten munter weiter und erst im Anschluss beim allgemeinen Feedback stellte sich heraus, dass im Kuddelmuddel aus nix-sehen, viel-hören und genereller Verwirrung viele wohl den Anfang des Gesangs gar nicht als Live-Musik eingeschätzt hatten!

Joa, ein knappes Stündchen später,  zwischen Hauptgang und Dessert war dann ich an der Reihe. Die Vorgabe waren 10 Minuten, der Inhalt war mir überlassen. (ich würde frei improvisieren, was denn sonst?

Ich stapfte also mit meinem Barisax durch die “Lichtschleuse”, tastete mich am Vorhang entlang und stellte mich dann im Raum auf (knapp am Vorhang zur taktilen Orientierung). Und begann zur akustischen Einleitung mal ein wenig in das Horn zu rauschen. Ursprünglich war mein Plan gewesen, durch verfremdung des Grundklangs den Zuhörer möglichst lange im Zeifel der Natur meines Instruments zu lassen. Dieser Plan wurde nicht ewig durchgehalten, irgendwann kam mir das gegrummle und geslappe ein wenig albern vor, also beschloss ich ein wenig rumzuarpeggieren und Variation über Phrasierung geschehen zu lassen. Insgesamt war alles recht tonal, einen kompletten Ausbruch wollte ich doch nicht abziehen, da die wirkende Intensität überhaupt nicht abzuschätzen war.
Ich vergaß zu erwähnen, dass der König-Ludwig-Saal in der Sudpfanne eine exzellent-hohe Decke und damit eine sehr füllige Akustik besitzt. Durch das hallreiche, noch von Gesprächen angereicherte Hörerlebnis war ich mir leider auch überhaupt nicht sicher, wie laut ich denn überhaupt war. Somit war auch indirektes Feedback (angeekelte Gesichter hab ich nicht gesehen) nicht sonderlich ausführlich.

Sehr interessant war neben der Navigationsverlust und der intensiven Finsternis eindeutig der klare Verlust des Zeitgefühls. Hätte ich so nicht gedacht, aber nachdem ich meine Töne und Untöne so ein wenig aneinandergereiht hatte war es so weit: Ich hatte keinen blassen Schimmer mehr, wie lange ich nun schon am werkeln war. Dennoch schaffte ich es, die Zeitvorgabe nur knapp zu unterschreiten, sehr interessant.
Das schöne wenn einen niemanden sieht ist übrigens, dass man auch in totalen Gammelklamotten auftreten kann und kurz bevor es losging zuckte auch der Gedanke durch den Kopf, dass es eine der wenigen Gelegenheiten wäre, zu denen man komplett nackt auftreten könnte ohne jemandem auf den Schlips zu treten. Vielleicht beim nächsten Mal?

3. Februar 2014 / Knut

2013, das Jahr in dem wir Kontakt aufnahmen

Die Hansestadt Bayreuth hat im Jahr 2013 insgesamt zu 27 offiziellen und inoffiziellen Gelegenheiten das Hörgerät mitlaufen lassen, die Gesamtspielzeit dürfte dem Licht-Zyklus von Karlheinz Stockhausen Konkurrenz machen. Wir haben etwa 6 Stunden von dieser Spielzeit in unsere diversen Soundclouds gestellt. Von diesen 6 Stunden werden bald 2 Stunden auf einer Doppel-CD erscheinen. Insofern kann man wohl von einem Best of Hansestadt 2013 sprechen Der CD-Release wird bald noch angekündigt. Danke Leute, Ihr seid alle total geil. Und das Jahr 2014 wird noch praller! :)

Hier nochmal der Vollständigkeit halber die beiden Soundclouds:

Falls Ihr noch nicht genug bekommen habt, hier noch die Playlists, die auch Hansestadt-Musik von den Einzelkonten der hanseatischen Einzelkünstler enthalten :)

Einmal “Etwas von der Hansestadt”:

Und dann noch “2000 Jahre Richard Wagner”, die Musikstücke für den ‘Stellenhörer’:

Viel Spass beim Durchklicken. Wer unsere Konten komplett durchhört, bekommt beim nächsten Auftritt ein Bier geschenkt. (Als Beweis werden Wundmale, Krankenscheine oder ähnliches akzeptiert.)

PS: Die Hansestadt fährt in diesem Jahr nach Leipzig und München, aus Bayreuther Sicht also quasi eine Europa-Tournee :)

26. November 2013 / Knut

Sonischer Dechiffrierungsabend mit der Hansestadt Bayreuth & Freunden

Menschenrechtsaktion10122013SchokoBT

Die Entschlüsselung der Utopie zum Tag der Menschenrechte
Zum Tag der Menschenrechte in der der Schokofabrik Bayreuth am 10.12. 1013

Der 10. Dezember als Tag der Verkündung wird seit 1948 als Internationaler Tag der Menschenrechte begangen und wurde 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Palais de Chaillot in Paris genehmigt und verkündet.

Soweit der äußere Umstand, aber was geschah wirklich: Im Freihafen der Hansestadt Bayreuth wurde ein nicht registrierter Klangcontainer mit unbekannten Inhalt entdeckt. Die Zollinspektoren der Hansestadt Bayreuth werden diesen sicherstellen und ihn unter Zuhilfenahme sonischer Entschlüsselungstechniken eröffnen. Was wird sich zeigen? Wir machen uns auf das Schlimmste gefasst.

Begleitet von der Videoinstallation „Die 10 Musen“ von Hrafna-Visualart, Textperformances, Fotoausstellung und Film, vermischen sich hier Raum, Ort und Zeit der Klangkultur der Hansestädter zu einem Gesamtkunstwerk, das die Abgründe von Menschenrechtsverletzungen darstellt. Die Amnesty Gruppe Bayreuth informiert und begleitet den Abend mit einem Infostand zum Thema. Nahezu täglich werden in den Medien von schweren Menschenrechtsverletzungen berichtet, sei es im syrischen Bürgerkrieg, Folter politischer Gefangener in Äthiopien, das Flüchtlingsdrama vor Lampedusa oder der aktuellen NSA-Affäre.

Es gibt eine besondere Aktion für Schulklassen! Schulklassen sind aufgefordert ihre Bild, Text und Videobeiträge zum Thema Menschenrechte einzureichen. Die entstanden Arbeiten werden in der Schoko e.V. präsentiert. Arbeiten sind bis zum 8.12.2013 im Schoko e.V. oder unter weltenall@gmx.de einzureichen. Der Publikumsliebling wird vor Ort prämiert.

Wir haben uns für den Abend gedacht, dass wir mal von unserer Bühne aus ein Mini-Gesamtkunstwerk in die anderen Teile der Schokofabrik senden und dem Gebäude eine sonische Orientierung geben, die es – als architektonische Einzelkunst – Anteil an dem kurzlebigen, menschlichen Treiben nehmen lassen. Damit das geht, müssen die Künstleringeneure der Hansestadt ran:

1) Gohlksträter. Das sind Andi Gohlke (Laptop, Syntheziser) und Knut Holtsträter (Gitarre, Effekte). Ihres Zeichens Navigation und Maschinenraum der Hansestadt Bayreuth, Konstrukteure des universitären Wagner-Flugzeugs, Programmierer der sübkültürellen Wagner-Drohne, kampferprobte Bierbrezel-Vernissagisten.

2) Im zweiten Set zum Quartett komplettiert durch Anja Zeilinger (Performance, Lesung, Stimme) und Felix Schrade (Saxophone, Elektronik). Alle vier sind Die Sehnsüchtigen, die 2014 mit der LIDL-Rakete durch die Blaue Nacht fliegen und vor einem außerirdischen Lagerfeuer den Polarstern betrachten werden.

Die visuelle Komponente der Hansestadt wird an diesem Abend der Menschenrechte auf drei Materialebenen stattfinden: Licht, Menschen und Materie. Das Licht wird vertreten durch digitale Videoprojektion und analoge Dia-Projektion, die Materie durch die hansestädtische Einzelkunstform der autarken Plane, und die Menschen durch uns, die Menschen.

Inhalte der visuellen Komponente werden Tod und Geburt sein, Farbspiel und Abstraktion und Bewegung und raschelnde Transparenz. Die akustische Dimension wird vom Maschinendröhnen der Wagner-Drohne, vom instrumentalen Schrei und vom Lautieren des Sternenkindes geprägt sein. Das Menschenrecht ist eine Utopie und wir werden versuchen, dieser Utopie an diesem Abend zu einem kurzen Dasein zu verhelfen.

Wir, die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt Bayreuth, sind guter Hoffnung, dass das alles ein Riesenspaß wird, wir Momente höchster Konfusion und tiefster Demut erleben werden und wir dem Zweck des Tages, dem Anmahnen der Menschenrechte, in menschlicher und künstlerischer Hinsicht gerecht werden können.

7. November 2013 / bubuludilli

Aus der Finsternis entsteht die Hansestadt

Oder so ähnlich.

Lange wurde nichts geschrieben hier, obgleich die Ereignisdichte definitiv nach oben gegangen ist. Von zwei Auftritten ist zu berichten, das Erste ist schonmal eine super Sache:

Geburtstagspartey

Das Leben nimmt mitunter recht bizarre Rhythmen an und so ist es kein Wunder, dass die Hansestadt Bayreuth keine Jahresringe trägt oder Falten bekommt. Wie denn auch, bei dem zarten Alter. Woran man das Alter eines oberfränkischen Künstlerkollektivs jedoch messen kann ist die Präsenz auf der Bühne des Glashauses. Und zwar spezifisch bei der so genannte Open Stage.
Die älteren Gesichter erinnern sich sicher noch an die Open Stage im Wintersemester 2012: Nach der Pause, auf der sich auf der Bühne ein illustres Völkchen und eine Armada aus Elektronischem Geraffel aufgebaut hatte wurde feierlich die Hansestadt ausgerufen. Einfach so.
Im Hintergrund waren natürlich schon eigenständige Aktionen geschehen, improvisiert worden und auch ein wenig genetzwerkt. Aber an jenem denkwürdigen Tag, da erblickte das Licht die Welt uns, die Hansestadt Bayreuth.

Und im Turnus des Glashauses ist dies nun ein Jahr her (also ziemlich genauch NICHT 365,25 Tage). Und so feierten wir Geburtstag. Auf der Bühne waren Max, Anja, Felix, Andi und Knut aufzufinden und nach den oft so elektronischen Performances wurde sich nun darauf verständigt, das ganze dieses mal unplugged ablaufen zu lassen. Der Posaunenchor gewissermaßen. Jens Wagner kündigte uns an (Danke) und dann spielten wir unser eigenes Ständchen. Für uns. Motivisch an einen klassiker zum fröhlichen Geburtstag angelehnt ergab das Interplay, dass der Erguss recht kurz sein sollte. Und das arme Publikum wusste wieder einmal nicht, wie ihm geschah…
Im Anschluss wurde noch in Anlehnug an Andy Warhols vielfarbige Disaster das spontan komponierte Stück “Massenkarambolage auf der A9″ aufgeführt.
Und als Zückerchen schmetterte Andi im Anschluss noch ein Solo auf der Piccolo-Säge.

Durch die Besetzung in Form von Schlagzeug, Tuba, Saxophon, Flöte, Säge und Gullivers Reisen war die Flächigkeit einer elektrisch amplifizierten Aufführungspraxis nicht gegeben. Dadurch wurde die Kommunikation intensiver und das pure Vorankommen im Raum/Zeit-Kontinuum zu Schwerstarbeit. Jede bescheuerte Sekunde muss eigenhändig mit Sound gefüllt werden. Entsprechend waren die künstlerischen Erzeugnisse auch sehr dicht, was dem Laien nicht wirklich zum vertieften Verständnis geholfen hat.
Aber hey, wem das alles nix sagt, der kann das gerne mit uns zusammen lernen, Klangwerkstatt und so.

Botanik

und dann kommt es schon zum Nächsten: Die Hanseaten wurden gefragt, ob sie nicht zur Vernissage der Ausstellung “Gelebtes neu belebt” – Assemblagen und Objekten von Katrin Schinner ein kleines Ständchen spielen wollten. Selbstversändlich konnten wir nicht ablehnen.

Knut hatte seine Effekt-Planken dabei, Andi den Rechner (und eine Synth), Anja ein Mikro und ich mein Delay-Set. Und der junge Padawan Klemens ließ es sich nicht nehmen, das Mikro beim Soundcheck ein wenig zu betüddeln.Heraus kam eine phänomenale Aufnahme, Soft-Noise mit Vocals, eigentlich eine super Sache, hört selbst:

Der Rest der Aufnahmen ist leider vom Munkeln der Ausstellungsbesucher vertönt und daher recht unbrauchbar.

Wie immer hat kaum jemand verstanden, was wir da machen und das wir eigentlich auch eine Assemblage sind wurde zwar angedeutet, aber dennoch wurde unsere Präambel wieder mal mit dem Soundcheck verwechselt, aber das ist das harte Brot der Kunst. Wenigstens die ausstellende Künstlerin war recht angetan, ganz zu schweigen von uns selbst…

4. August 2013 / bubuludilli

JungeJunge, Sübkültür!

Der Blog der Hansestadt war ja ursprünglich nicht nur als Element der angewandten Phänomenologie im Sinne des schaffenden Schaffers gedacht, nein, von Hause aus sollte der 08/15-Hanseat auch hier als erlebendes Wesen von fremden Planeten seine Erfahrungen teilen können. Und wie es die Gottheit der Synthese so will, ist auch so etwas ähnliches wie ein Spagat zu schaffen. Es war mein erstes Mal, dass ich die Hansestadt Bayreuth nicht als aktiv gestaltender Künstler miterleben durfte. Einfach nur Publikum sein zu dürfen hat ja auch was, dazu aber gleich. So wird es ablaufen:

Zuerst zum Aufbau:

I)    Rezitierung einer anwesenden Person
II)   Kommentar
III) In eigener Sache
IV) Kritik an der eigenen Sache
V)  Die Wahrheit, nix anderes
VI ) Epilieren

Ad I)

Zu meinem phänomenalen Glück hat sich Knut Holtsträter (seines Zeichens Hanseat) auf seinem ureigenen Blog schon über die Geschehnisse geäußert. Und das, was er da so geschrieben hat, ist schon mal echt knorkös:

http://wellenbecken.com/2013/08/03/wagner-drohne-in-der-subkultur-am-23-7-2013/

“Die Bude war rappelvoll”,”nichts richtig Jugendgefährdendes”,”Drift Richtung verquaster Performance”,”Apfelschorle-Pumpe/Pipi-Sinfonie”,”Klangrede”

Alle weiteren Worte dann im nächsten Punkt

II) Kommentar

Im (hoffentlich eben gelesenen Blogeintrag) verliert sich der Autor zu Anfang etwas in Huldigungen und sanfter Kritik an vorherigen Events, welche in dieser kanpp bemessenen Blogoshpäre keine Erwähnug finden. Und dann gehts ans eingemachte. Knut H. ist eine eiskalte Sau, in Performances erprobt und unerschütterbar durch äusserliche Einflüsse. So gelingt es ihm, die brandheiß entstehende Kunst recht süffisant zu vertexten. Barahavo. der Kern des Pudels wurde also bereits eingefangen, belibt also nocht, etwas “Objektivität” beizusteuern.

@ III)

Auf der “Bühne” waren also Andi (Synthi&Computer für Samples), Thaddäus (Mikrofon, Livesampling & Billigklavier) und Knut (Zweierlei Klampfen + mehrere laufende Meter an Effekten) zu finden. In mühevollster Kleinarbeit wurden drumherum noch Mikrokosmotischerweise Kunst gebaut, sei es eine BILD-Zeitung pro Sitzplatz, das Isolierfolienophon oder das Wetter. All diese Faktoren waren der anzutreffenden Stimmung recht zuträglich (und werden auch in K. Holtsträters Wellenbecken aufgerissen).
Meinereiner musste also nur noch hereinstolpern, ein lecker Bier in die Hand nehmen und mit Artsy-Fartsy-Kommentaren bei echtem E-Entertainment die Sache über sich ergehen lassen.

Der Beginn war bewusst recht ruhig gestaltet, die sonnensüchtigen Massen mussten ja zuerst durch die “Bück Dich für die Kunst”-Installation ihren Weg ins Innere finden. Der erste Höhepunkt ( nach der Begrüßung durch den Schaffner und den Rosenverkäufer) war der Vorstoß in die humanoidie Klangfärbung, namentlich durch T. Zucker im Frack ausgeführt; Angela Merkels Beitrag zur Kolumbusfähigkeit des (nunmehr von nativen digitalen bewohnten) Internets erfuhren eine brachiale Rekontextualisierung. Und da ging bei mir der Hahn auf. Das war nunmal echt genial, zuvor war dieses Armutszeugnis an Realpolitik nur ein am Rande wahrgenommener Zeitungsartikel gewesen, durch die Wiederaufführung wurde jedoch die Banalität der Aussage auf vortrefflichste Weise in das Gesicht des Erlebers gerieben.
Ab da war alles möglich: Das Tannhäuser Tor, echte Nibelungenzitate, falsche Nibelungenzitate, wildes gefrickel, froschgeknarze, HIM, WurstMorde, die Hülle und Fülle ist gar schwerlich zu fassen. Und das war erst die erste Hälfte! Knapp eine DreiviertelStunde Action war da ins Land gegangen, und niemand hatte den Saal, von Hopfennotwendigkeiten abgesehen, verlassen. Ein geiles Publikum für eine geile Show.

In der zweiten Hälfte war ich anfangs recht angeheitert, so das die anfängliche Deklamation der Bildenden Wahrheit in Albernheit unterging. Die Entkleidung eines Lollipops machte das nicht viel besser, erst harte Literatur brachte die (leicht geschrumpfte) Zuschauermasse wieder totenstill.

Ein weiteres Highlight war die Selbsttaufe mit Kunstblut: Was zuerst nach einer wirren Putzsession unter der Plastikplane aussah wurde innert schneller Zeit zu einer Selbstbefleckungsorgie, welche das Publikum tatsächlich noch zu überraschen wusste. Obgleich Sigfried eben erst gestorben war.
Um den TL;DR-Effekt zu vermeiden sein noch kurz angemertk: Das ausgeleierte Ästhetik-Organ erfuhr noch Aldi-Testamentarische Angriffe und vielerlei mehr. Fantastisch.

IV) Was schreib ich da eigentlich?

Logischerweise bin ich durch pesönliches Nahestehen an den Künstlern echt garnicht qualifiziert über die Ereignisse des Abend zu berichten. So hab ich oben auch nicht geschrieben, dass der schwierige Bühnenaufbau die Energie ungemein gebremst hat. Auch eine Evaluation zum Kunstgehalt der wissenschaftlichen Allgemeinheit kann ich echt nix sagen.
Neben der verbreiteten Euphorie gab es sicher einige Unsicherheitsmomente, die vom geschulten Betrachter wahrgenommen werden konnten. Für alle anderen war es wahrscheinlich ganz hübsch, und Sübkültür allemal.

Bleibt die Wahrheit zu konstatieren, wie für V vorgeschrieben.
Es war grandios. Das so etwas einfach passieren darf ist eine kleine Flagge wider den Einheitsbrei und die Anspruchszensur der kapitalistischen Gesellschaft. Aus purer Liebe zum Tun hat Sübkültür mit der Hansestadt Bayreuth eine wahre Insel der Kunst? – Oder konnte das weg? – geschaffen. Nice.

Abschliessend bleibt zu danken. An die Künstler und an die Orga. An V. Strübing fürs Knete sammeln. Wir freuen uns auf mehr.

23. Juli 2013 / bubuludilli

Neue Klangwerkstatt

Obwohl wir eigentlich alle gar keine Zeit haben, wegen dem harten Tourleben:
Am 1. August, dem schweizer Nationalfeiertag, findet erneut eine Klangwerkstatt statt, statt Langeweile.

Los geht es wie üblich nach der Tagesschau, Treffpunkt MammaMia.

Für Punsch und Kuchen wird nicht gesorgt, ihr seid doch selber groß.

4. Juli 2013 / djdadaeus

9 Stunden Hörkunst-Wahnsinn

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Eigentlich war es angesetzt auf 24 Stunden, aufgrund diverser Sicherheitsbestimmungen des Veranstaltungsortes wurde es auf 9 Stunden gekürtzt. Dennoch war es am 15.06.  im Jahre des Herrn 2013 so weit: Ein Kontor zog aus, das  Hörkunstfestival in Erlangen zu erobern.Ein Schiff ,voll beladen mit jeder Menge Spielzeug, segelte dementsprechend morgens los, um am Vormag feierlich das Kontor zu eröffnen und der Wahnsinn nahm seinen Lauf.

Der Counter wurde angestellt, alles eingestöpselt, fehlende Details organisiert, und langsam, zunächst Akustisch, nahm das neu geborene Schiff der Flotte seinen Kurs gen Kunst, Wahnsinn, Zerstörung des guten Geschmacks und in neue unendliche Weiten auf, welche nie zuvor ein Mensch betrat.

Selten segelten so viele Hanseaten gemeinsam mit so vielen verschiedenen Segeln: Eine singende Säge, Blechtrommel, Gitarren, Plattenteller, tonnenweise elektronisches Spielzeug und ein überschaubares Dickicht an Zeug und Kram erzeugten im Laufe der überaus ereignisreichen Reise Klang, Klänge, Klangteppiche, aber auch jazziges und Chaos, sphärisches und lustiges, klamaukiges, chaotisches und kuchiges.

Das Besondere an dieser Reise: Über die 9 Stunden Verlauf fand sie eher wenig Zuhörer und -schauer. Die, die es sahen, schienen bisweilen recht euphorisiert. Noch euphorisierter waren dann die Hanseaten als es einmal draussen und dann auch im berüchtigten Seminarraum 4 zu einer gemeinsamen Strecke im Meer der Klänge mit den lieben Künstlern von Sohne  führte.

Und das passte gerade zu Felix wie die Faust aufs Auge, erzeugte Dissonanzen, Spannnung, Lärm und Freude. Und es erreichte 10 Minuten vor Ende der Zeit seinen absoluten dramatischen Höhepunkt, eine postapokalyptische Postimplosion des einen und absoluten Seins des Klanges im Raum, jener welcher das E-Werk in seinen Grundfesten zu erschüttern verstand. Diese Aufnahme gibt es einigermaßen wieder:

Es war dann schneller zu Ende als man meinte. Viel war passiert, und da ein Bild mehr als Tausend Worte sagt:

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Besondere Anekdote: Der Herr an den Drums. quasi 9 Stunden durchgehend muss man erst mal schaffen. Auch wenn sich die Konstellationen oft und rege wandelten, eine Konstante gab es also.Respekt.

Danke an dieser Stelle an die Crew vom Hörkunstteam für Gastfreundschaft, Wein,Speis und einen Schlafplatz in einer denkmalgeschützten Jugendherberge im Look von sozialistischen SciFi Filmen und an Sohne für das gemeinsame Kunst produzieren.

Möglicherweise hat dieses Treffen im Herbst in Bayreuth ein ebenso spannendes Nachspiel. In welche Form und Gestalt, wird sich zeigen.

In diesem Sinne:

Ahoi!!!

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