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5. Februar 2013 / bubuludilli

Aus brasilianischen Archiven

Es ist so weit. Unsere Horde von Anwälten hat erfolgreich die Saalschlacht um die Verschwiegenheitserklärungen gewonnen. Assange persönlich hat sich aus seinem Exil gewagt und gratuliert uns. Auch wenn die Herrschaften von der Presse geladen waren, so mussten wir die letzten Teile des Experiments hinter verschlossenen Türen vollenden. Und nun ist es so weit: Die erste Klangwerkstatt hat in unseren Herzen gereift und die Hanseaten finden nun die innere Verfassung vor um sich der Aufarbeitung des denkwürdigen Augenblicks zu widmen.

Fangen wir noch einmal bei null an. Am Anfang war das Wort, dann kam die Hansestadt. Und um dies zu zelebrieren fand am 17. Januar 2013 die erste Klangwerkstatt in der Oberfrankenmetropole Bayreuth statt. Zwischen 4 und 6 Gesichter fanden sich neben dem Ballpool ein und ließen ihr Arsenal an spielerischer Klangumgangsform auf sich und die Schöpfung los. Neben Klagegeschrei, tschechischen Schwimmbadkulissen, jaulenden Riffs und treibend-stotternden Beats war noch ein Aufnahmegerät unauffällig im Raum positioniert. Der durch die Interaktion resultierende Flow konnte leider nicht mit in das MP3-Format konvertiert werden, was uns bleibt sind lediglich akustische Grabsteine herrlicher Augenblicke des Erlebens. Dennoch sehen wir uns als Hanseaten in der Verantwortung genau diese Fragmente als Déjà Vu kommender Ereignisse der Welt zugänglich zu machen.
Nach langem Kampf um den korrekten Zuschnitt des Materials und dem Mastering präsentieren wir nun den unter dem Arbeitstitel „Drei saure Gurken mit Schaf“ bekannten Entwurf der Aufarbeitung der Geschehnisse.

Ein paar Kommentare müssen noch angebracht werden um auch dem nicht eingeweihten Zuhörer tieferes Verständnis zu ermöglichen. Das Instrumentarium des Abends bestand aus ca. 2 m² Gitarreneffekten und 2 dazugehörigen Sechssaitern inklusive Verstärkern, ferner einem elektronischem Drumkit, mehrerer geladener Gigabyte Samples (von verschrobenem Text über schlichte Sinuswellen bis zu brachialem Lärm), einem Sopransax mit Hazarai und 3 Flaschen Bier diverser Brauart. Ein Handaufnahmegerät stellt uns die Datenrohmasse für die folgende Rekonstruktion dar. Die Aufnahmen wurden geschnitten und im Pegel angepasst. Von Autotune und künstlichem Raumklang haben unsere Tontechniker die Finger gelassen um das rohe Erleben greifbarer zu machen. Einfach Toll:

Ich verlasse die Ebene des objektiven, allwissenden Erzählers und kommentiere das Geschehen live durch ein Loch im Raumzeit-Kontinuum:


Wir wagen den Einstieg mit ostinaten Strukturen des elektrischen Schlagwerkes. Die Rhythmisierung wird sobald von den Seiteninstrumenten und deren Rückkopplungsschleifen übernommen um den Beat in ein neues Tempo zu lenken. Ein Husten! Oszillation, klicken, was kommt? Der Sturzflug der Harmonie selbst, über ein Bett synthetisierter Klänge. Das Saxophon steigt mit einem „Hallo“-Ruf ein, hört der eigenen Delayfahne zu. Der Sturzflug der Gitarre entwickelt sich zu einer breiten Fläche mit hohen Interferenztönen. Der Trialog setzt sich über einen geraden Rhythmus hinüber fort. Ausklänge, Einklänge, Tonketten, Geräuschwolken. Sirenengesang. Alles reiht sich ein in den bunten Reigen. Menschen ducken sich zu ihren mit Elektrik gefüllten Kisten hinab und erwirken eine breite Fläche.
Woher kommen denn die Stimmen? Das Kratzen und Picken steigert sich bis die Klänge wieder trockener werden, die Phrasen länger. Der Reaktor kühlt ein wenig ab, im Hintergrund diskutieren die Experten über die Nachwehen die durch die Hallen jagen. Panik! Was passiert? Dennoch bleibt untergründig alles cool. Die Achte Minute schlägt und die Madame hält uns einen Vortrag über Politik. Super! Wenn die gute Dame doch nur nicht so blechern sprechen würde. Die Sprache verebbt, der Puls lebt auf um erneut leise in gefrickel zu sterben. Die Krähen warten auf den Kadaver der verstrichenen 11 Minuten und 10 Sekunden um sich an den verdorbenen Ohren zu laben.


Steigen wir in die nächsten 528 Sekunden ein. Blecherne Breakbeats, metallisches Horn, ein schlechter Schreibstil. Das angesammelte Kollektiv zelebriert erneut die Rückkopplungen in allen Frequenzbereichen, sich den Klängen eines vorbeifliegenden Flugzeugs nähernd. Die breiten FeedbackCluster zerbrechen in ein hartes Riffing und schwimmen noch vereinzelt umher, zusammengehalten von stehenden Wellen. Alles zergeht und tauch unter in die hämmernde Struktur der Drums. Das Klicken der Effektpedale ist live übrigens nicht so deutlich zu vernehmen wie auf dieser Aufnahme. Jedoch werden auch die enormen akustischen Unterschiede durch das Mikrofon ein wenig geblendet und erspart uns zuhörern den Tinitus. Wer bei 5:24 übrigens genau hinhört erkennt eine unintendierte Reminiszens an einen vergangenen Funk-Klassiker, dies nur als Geheimtip.
Die Dichte des geschehens kummuliert. Lasst euch treiben! Der berüchtigte Flow ergreift die Akteure und wirft sie in das Adlernest. Werden wir vielleicht nicht doch irgendwann einfach erlöst?

Nachdem nun so viel geschrieben wurde bleibt es Dir, oh Leser; Dir selbst ist nun auferlegt Dir deine eigenen Gedanken zu der kommende Phrase zu machen:

Die Hanseaten verneigen sich und bedanken sich für die Geduld  und Aufmerksamkeit des Zuhörers. Am Valentinstag treffen wir uns wieder zelebrieren die Existenz des Augenblicks. Wer macht mit?

felix

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