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4. August 2013 / bubuludilli

JungeJunge, Sübkültür!

Der Blog der Hansestadt war ja ursprünglich nicht nur als Element der angewandten Phänomenologie im Sinne des schaffenden Schaffers gedacht, nein, von Hause aus sollte der 08/15-Hanseat auch hier als erlebendes Wesen von fremden Planeten seine Erfahrungen teilen können. Und wie es die Gottheit der Synthese so will, ist auch so etwas ähnliches wie ein Spagat zu schaffen. Es war mein erstes Mal, dass ich die Hansestadt Bayreuth nicht als aktiv gestaltender Künstler miterleben durfte. Einfach nur Publikum sein zu dürfen hat ja auch was, dazu aber gleich. So wird es ablaufen:

Zuerst zum Aufbau:

I)    Rezitierung einer anwesenden Person
II)   Kommentar
III) In eigener Sache
IV) Kritik an der eigenen Sache
V)  Die Wahrheit, nix anderes
VI ) Epilieren

Ad I)

Zu meinem phänomenalen Glück hat sich Knut Holtsträter (seines Zeichens Hanseat) auf seinem ureigenen Blog schon über die Geschehnisse geäußert. Und das, was er da so geschrieben hat, ist schon mal echt knorkös:

http://wellenbecken.com/2013/08/03/wagner-drohne-in-der-subkultur-am-23-7-2013/

„Die Bude war rappelvoll“,“nichts richtig Jugendgefährdendes“,“Drift Richtung verquaster Performance“,“Apfelschorle-Pumpe/Pipi-Sinfonie“,“Klangrede“

Alle weiteren Worte dann im nächsten Punkt

II) Kommentar

Im (hoffentlich eben gelesenen Blogeintrag) verliert sich der Autor zu Anfang etwas in Huldigungen und sanfter Kritik an vorherigen Events, welche in dieser kanpp bemessenen Blogoshpäre keine Erwähnug finden. Und dann gehts ans eingemachte. Knut H. ist eine eiskalte Sau, in Performances erprobt und unerschütterbar durch äusserliche Einflüsse. So gelingt es ihm, die brandheiß entstehende Kunst recht süffisant zu vertexten. Barahavo. der Kern des Pudels wurde also bereits eingefangen, belibt also nocht, etwas „Objektivität“ beizusteuern.

@ III)

Auf der „Bühne“ waren also Andi (Synthi&Computer für Samples), Thaddäus (Mikrofon, Livesampling & Billigklavier) und Knut (Zweierlei Klampfen + mehrere laufende Meter an Effekten) zu finden. In mühevollster Kleinarbeit wurden drumherum noch Mikrokosmotischerweise Kunst gebaut, sei es eine BILD-Zeitung pro Sitzplatz, das Isolierfolienophon oder das Wetter. All diese Faktoren waren der anzutreffenden Stimmung recht zuträglich (und werden auch in K. Holtsträters Wellenbecken aufgerissen).
Meinereiner musste also nur noch hereinstolpern, ein lecker Bier in die Hand nehmen und mit Artsy-Fartsy-Kommentaren bei echtem E-Entertainment die Sache über sich ergehen lassen.

Der Beginn war bewusst recht ruhig gestaltet, die sonnensüchtigen Massen mussten ja zuerst durch die „Bück Dich für die Kunst“-Installation ihren Weg ins Innere finden. Der erste Höhepunkt ( nach der Begrüßung durch den Schaffner und den Rosenverkäufer) war der Vorstoß in die humanoidie Klangfärbung, namentlich durch T. Zucker im Frack ausgeführt; Angela Merkels Beitrag zur Kolumbusfähigkeit des (nunmehr von nativen digitalen bewohnten) Internets erfuhren eine brachiale Rekontextualisierung. Und da ging bei mir der Hahn auf. Das war nunmal echt genial, zuvor war dieses Armutszeugnis an Realpolitik nur ein am Rande wahrgenommener Zeitungsartikel gewesen, durch die Wiederaufführung wurde jedoch die Banalität der Aussage auf vortrefflichste Weise in das Gesicht des Erlebers gerieben.
Ab da war alles möglich: Das Tannhäuser Tor, echte Nibelungenzitate, falsche Nibelungenzitate, wildes gefrickel, froschgeknarze, HIM, WurstMorde, die Hülle und Fülle ist gar schwerlich zu fassen. Und das war erst die erste Hälfte! Knapp eine DreiviertelStunde Action war da ins Land gegangen, und niemand hatte den Saal, von Hopfennotwendigkeiten abgesehen, verlassen. Ein geiles Publikum für eine geile Show.

In der zweiten Hälfte war ich anfangs recht angeheitert, so das die anfängliche Deklamation der Bildenden Wahrheit in Albernheit unterging. Die Entkleidung eines Lollipops machte das nicht viel besser, erst harte Literatur brachte die (leicht geschrumpfte) Zuschauermasse wieder totenstill.

Ein weiteres Highlight war die Selbsttaufe mit Kunstblut: Was zuerst nach einer wirren Putzsession unter der Plastikplane aussah wurde innert schneller Zeit zu einer Selbstbefleckungsorgie, welche das Publikum tatsächlich noch zu überraschen wusste. Obgleich Sigfried eben erst gestorben war.
Um den TL;DR-Effekt zu vermeiden sein noch kurz angemertk: Das ausgeleierte Ästhetik-Organ erfuhr noch Aldi-Testamentarische Angriffe und vielerlei mehr. Fantastisch.

IV) Was schreib ich da eigentlich?

Logischerweise bin ich durch pesönliches Nahestehen an den Künstlern echt garnicht qualifiziert über die Ereignisse des Abend zu berichten. So hab ich oben auch nicht geschrieben, dass der schwierige Bühnenaufbau die Energie ungemein gebremst hat. Auch eine Evaluation zum Kunstgehalt der wissenschaftlichen Allgemeinheit kann ich echt nix sagen.
Neben der verbreiteten Euphorie gab es sicher einige Unsicherheitsmomente, die vom geschulten Betrachter wahrgenommen werden konnten. Für alle anderen war es wahrscheinlich ganz hübsch, und Sübkültür allemal.

Bleibt die Wahrheit zu konstatieren, wie für V vorgeschrieben.
Es war grandios. Das so etwas einfach passieren darf ist eine kleine Flagge wider den Einheitsbrei und die Anspruchszensur der kapitalistischen Gesellschaft. Aus purer Liebe zum Tun hat Sübkültür mit der Hansestadt Bayreuth eine wahre Insel der Kunst? – Oder konnte das weg? – geschaffen. Nice.

Abschliessend bleibt zu danken. An die Künstler und an die Orga. An V. Strübing fürs Knete sammeln. Wir freuen uns auf mehr.

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