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24. Februar 2014 / bubuludilli

Impro unter anderen Bedingungen

Ein Abenteuer, zumindest ein kleines, ist dem Felix jüngst passiert:
Ein sogenanntes „Dinner in the Dark“ ist ein Event, bei dem in absoluter Dunkelheit gespeist wird um so die Sinneswelt von Sehbehinderten und Blinden nachzustellen. Das ist für sich schon ganz lustig, alle Teile des Bestecks werden beispielsweise selten benutzt. Die Besucher reden mehr&lauter um sich ihrer Präsenz und der ihrer Nachbarn zu versichern, alle blinzeln ein wenig komisch, wenn es dann aufs Klo (in Helligkeit) geht.

Normalerweise ist die Ausgangssituation für die Sinne schon ziemlich spannend, es ergab sich jedoch noch eine kleine Verwirrungsakkumulation: Die Organisation wollte mal ausprobieren, wie sich die akustische Wahrnehmung im Bezug auf musikalische Impulse verändert.
Am Abend selbst war die Sängerin Madeleine Reichert nebst Korepetition anwesend und debütierte. Die Menschen redeten munter weiter und erst im Anschluss beim allgemeinen Feedback stellte sich heraus, dass im Kuddelmuddel aus nix-sehen, viel-hören und genereller Verwirrung viele wohl den Anfang des Gesangs gar nicht als Live-Musik eingeschätzt hatten!

Joa, ein knappes Stündchen später,  zwischen Hauptgang und Dessert war dann ich an der Reihe. Die Vorgabe waren 10 Minuten, der Inhalt war mir überlassen. (ich würde frei improvisieren, was denn sonst?

Ich stapfte also mit meinem Barisax durch die „Lichtschleuse“, tastete mich am Vorhang entlang und stellte mich dann im Raum auf (knapp am Vorhang zur taktilen Orientierung). Und begann zur akustischen Einleitung mal ein wenig in das Horn zu rauschen. Ursprünglich war mein Plan gewesen, durch verfremdung des Grundklangs den Zuhörer möglichst lange im Zeifel der Natur meines Instruments zu lassen. Dieser Plan wurde nicht ewig durchgehalten, irgendwann kam mir das gegrummle und geslappe ein wenig albern vor, also beschloss ich ein wenig rumzuarpeggieren und Variation über Phrasierung geschehen zu lassen. Insgesamt war alles recht tonal, einen kompletten Ausbruch wollte ich doch nicht abziehen, da die wirkende Intensität überhaupt nicht abzuschätzen war.
Ich vergaß zu erwähnen, dass der König-Ludwig-Saal in der Sudpfanne eine exzellent-hohe Decke und damit eine sehr füllige Akustik besitzt. Durch das hallreiche, noch von Gesprächen angereicherte Hörerlebnis war ich mir leider auch überhaupt nicht sicher, wie laut ich denn überhaupt war. Somit war auch indirektes Feedback (angeekelte Gesichter hab ich nicht gesehen) nicht sonderlich ausführlich.

Sehr interessant war neben der Navigationsverlust und der intensiven Finsternis eindeutig der klare Verlust des Zeitgefühls. Hätte ich so nicht gedacht, aber nachdem ich meine Töne und Untöne so ein wenig aneinandergereiht hatte war es so weit: Ich hatte keinen blassen Schimmer mehr, wie lange ich nun schon am werkeln war. Dennoch schaffte ich es, die Zeitvorgabe nur knapp zu unterschreiten, sehr interessant.
Das schöne wenn einen niemanden sieht ist übrigens, dass man auch in totalen Gammelklamotten auftreten kann und kurz bevor es losging zuckte auch der Gedanke durch den Kopf, dass es eine der wenigen Gelegenheiten wäre, zu denen man komplett nackt auftreten könnte ohne jemandem auf den Schlips zu treten. Vielleicht beim nächsten Mal?

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